Donnerstag, 12. Juni 2014

Konversationskunst - Kunsthaus Hamburg 2013


Produktion: kuecocokue & Zorah TV, 2014

Video-Dokumentation eines Konversationsspiels, das ich mit großem Genuss erlebt und dokumentiert habe. Der Videoschnitt ist eigentlich schon sehr lange fertig. Aus Zeitgründen habe ich das Video aber nicht gepostet. Nun ist es endlich so weit. Empfehle das Video in HD-Qualität und full-Screen anzuschauen.

Nachfolgende Anmerkungen dazu sind von den beiden Konversations-Künstlern Kurd Alsleben und Antje Eske, die zu dem Event im Hamburger Kunsthaus im Herbst 2013 eingeladen hatten:

Die weltweite Vernetzung der Computer hat zu einem Austausch und zur Kontrolle von Botschaften aller Art geführt, was in seiner Quantität die Vorstellungen überschreitet. Social Media-Dienste wie Facebook, Twitter u.a. bieten konfektioniertes Kommunikationsverhalten an.

Im Rahmen der Ausstellung zum 50jährigen Bestehen des Kunsthauses Hamburg, im November 2013, fanden regelmäßig Konversatorien statt, wie sie Alsleben/Eske zusammen mit Freunden seit den 1980er Jahren visàvis und im Netz entwickeln. Das Video zeigt eine offiziöse Gruppe beim Spiel ´Loteries poétiques´. Das bringt poetische Erfahrungen in den Common Sense. Ein Konversationsspiel, das in ähnlicher Weise schon im Salon von Anne-Louise du Maine im Rokoko gespielt wurde.

Die Konversationskunst hat eine lange Tradition: von der antiken »ars sermonis«, den Musenhöfen der italienischen Renaissance sowie der französischen Salonkultur des 17. und 18. Jahrhunderts, eine Bewegung, die die kulturpolitische Vorherrschaft von Ludwig XIV. strittig machte. Konversationelle Elemente setzten sich auch im Surrealismus und Dadaismus des 20. Jahrhunderts fort. Hier im Kunsthaus zieht jedeR ein Los auf dem vier Endreime stehen und lässt sich von diesen Wörtern zu einem Gedicht inspirieren, das in der Gruppe vorgetragen wird. Auf spielerische Weise wechseln die Austauschebenen.

Konversationskunst ist eine Kunst des Austauschens, die sich von der alltäglichen Kommunikation abhebt und nicht auf die Rede beschränkt ist. Medienwechsel öffnet dabei neue Assoziationsräume und erweitert den Horizont des Mitteilbaren. Konversationskunst wächst in einer offiziösen Gruppe aus Bekannten und Fremden. Die Fremden verkörpern die Idee des Konversen, ein wesentlicher Begriffsinhalt von Konversation. "Ich weiß allein nicht weiter" ist, weil ich unter Anderen bin, das Leitmotiv. Erkenntnisse aus dem konversationellen Zusammenhang verbreiten sich nicht gezielt, sondern homöopathisch. In der Konversationskunst werden keine Werke produziert, sondern konversierend lassen sich gemeinsam und spielerisch Erfahrungen sammeln und Ideen finden, also das Wünschen: "Wie wärs denn schön?".

Mehr unter... http://www.konversationskunst.org/index.php/einfuehrung

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